„Ueber das Dach des Kellerwaldes in das Tal der Gilsa"    04.11.2007

- 39 - Rosenthaler TSV-Wanderer und Mitglieder des Vereins für naturnahe Erholung waren am vergangenen Sonntag im Kellerwald auf Tour. Ihnen hatten sich bei schönem Wanderwetter auch Gastwanderer angeschlossen. Vom Wanderparkplatz oberhalb Haddenberg führte die Wanderung auf den Wanderwegen B 4 und dem „Kellerwaldsteig" zu den mystischen und sagenumwobenen Plätzen „Exhelmerstein", „Mausefalle" und zum heiligen keltischen Kultplatz auf dem „Wüstegarten", dem Gipfel des Kellerwaldes (675 m NN). An diesem Ort feierten die Kelten um 300 v.Chr.ihre Opferfeste. Keltische Ringwallanlagen sind heute noch zu erkennen.
Zwei Wanderstrecken standen zur Auswahl. Die kürzere Variante mit 7 Kilometern führte auf direktem Weg hinunter nach Densberg ins Gilsatal. Auf dem Kellerwaldsteig in Richtung Nordetal verlief die 10 Kilometer-Tour um den „Densberger Keller" herum zum Tagesziel Densberg. Der Aufstieg auf den 25 Meter hohen Kellerwaldturm war für alle lohnenswert, reichte doch der Blick aus 700 Metern Höhe bis nach Heringen zum „Monte Kali" und zum Rothaargebirge. Bei guter Fernsicht sollen der Taunus, das Upland und der Vogelsberg zu sehen sein. Näher liegen das „Hohe Lohr" mit dem Sendemast in 657 Meter Höhe bei Battenhausen und die Walddörfer Dodenhausen, Haddenberg, Armsfeld, Hüttenrode, Bergfreiheit sowie der Kurort Bad Wildungen.

Während der Wanderung erfuhren die Teilnehmer Interessantes über die Geologie, den Bergbau, die Geschichte der umliegenden Walddörfer sowie über die Flora und Fauna des Naturparks Kellerwald-Edersee. Es galt bei der Wanderung auch einiges zu entdecken; wie den 320 Millionen Jahre alten Quarzitfelsen „Exhelmer Stein" mit seinem Gipfelkreuz und die ausgefallenen und geformten Felsblöcke der „Mausefalle". Das heutige Naturdenkmal hatte wohl einst eine wichtige Bedeutung für die Menschen in der Region. Historiker vermuten, dass der Felsen in Verbindung mit dem nahen Wüstegarten eine Kultstätte der Kelten war. Der Gebirgskamm erstreckt sich vom Exhelmer Stein über den Wüstegarten und das Urfftal bis zum Löwenstein bei Schiffelborn.

Auf den im Jahr 1552 begonnenen Kupferbergbau am Oberlauf der Urff im „Schneewittchendorf" Bergfreiheit verwiesen die Wanderführer. In dem bekannten Märchen der Brüder Grimm wird ein lokaler Bezug zum Kellerwald und Bergfreiheit gesehen. Danach soll mit Schneewittchen die einzige Tochter des Grafen Samuel von Waldeck dargestellt worden sein. Die Zwerge waren Kinder aus der Region, die in den engen Stollen des Berges das Kupfererz schürfen mussten. Graf Samuel von Waldeck residierte auf Burg Friedrichstein in Bad Wildungen und begründete den Kupferbergbau in Bergfreiheit.In Schönstein und Dodenhausen entstanden schon vor 1500 Schmelzöfen, die den im Tagebau gewonnenen Roteisenstein aus den Gruben Haddenberg und Brünchenhain verarbeiteten. Die Meiler in den nahen Buchenwäldern lieferten in grossen Mengen benötigte Holzkohle.Als im Jahr 1616 das Eigentum an den Hütten- und Hammerwerken an die Landgrafen von Hessen überging, entwickelte sich in der Region ein blühendes Berg- und Hüttenwesen. Erst 1890 in der Preussen Zeit war das Ende des Berg- und Hüttenwesens im Kellerwald besiegelt.
Aus dem „steinreichen" Kellerwald ist der „Kellerwaldachat" besonders bekannt. Hierbei handelt es sich um einen Eisenkiesel der als „Halbedelstein" in der Edelsteinschleiferei in Bergfreiheit verarbeitet wird.

Beide Gruppen trafen sich zum Abschluss der Wanderung zur Einkehr im Restaurant „Kellerwald" in Densberg. Den Wanderführern Herbert Turian und Hermann Möscheid dankten die Teilnehmer für die interessante und gut vorbereitete Wanderung.

Helmuth Vaupel

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