„Hautnah der Vergangenheit auf der Spur"

Zu einer außerplanmäßigen Exkursion zu historischen Grenzsteinen um Rosenthal hat der Verein für naturnahe Erholung e.V. -Wandern- eingeladen. 12 Interessenten konnten die Organisatoren der Wanderung Helmuth Vaupel und Günter Klingelhöfer bei herrlichem Winterwetter begrüßen.

Die beste Zeit für Grenzsteinwanderungen ist die vegetationsarme Zeit im Spätherbst und ausgangs des Winters, wenn Blätter, Gräser und Wildkräuter eine freie Sicht auf die Grenzmale bieten. Da mit Rücksicht auf das Wanderangebot des Vereins auch nur eine offizielle Wanderung zu historischen Grenzsteinen im Jahreswanderplan erscheinen kann (jeweils im November), werden auch künftig weitere außerplanmäßig geführte Touren folgen.

„Hautnah der Vergangenheit auf der Spur", so lautet das Motto der ersten Grenzsteintour in 2013. Gilt es den Schleier um Grenzsteine zu lüften, dann ist es nötig sich auch mit der Heimatgeschichte zu befassen. Den Wander-, Geschichts- und Naturfreunden wurden in Stein gemeißelte Buchstaben, Zahlen und Jahresangaben erklärt, die zur Geschichte der Grenzsteine und ihrer Grenzanrainer Auskunft geben. Unterschiedliche Grenzsteinformen und Wegmarkengrößen mit zum Teil kunstvoll in Stein gemeißelten Symbolen wurden bestaunt.
Am Beispiel der historischen Waldgrenzkarte aus dem Jahr 1741, zwischen dem Rosenthaler Stadtwald und Stiftungsforsten Kloster Haina, konnte die Wanderführung auf die Abmarkung der Grenze mit Vermessungs- und Versteinungsarbeiten hinweisen. Der Grenzverlauf der im frühen 18. Jahrhundert gesetzten 38 Grenzsteinen mit ihren eingemeißelten Symbolen, ist auf der Waldkarte mit fortlaufenden Nummern- und Richtungsangaben benannt. Die zum Teil noch gut erhaltenen Grenzmarken tragen auf der Steinkopfseite eine eingemeißelte Nummer, einige tragen auch auf Rosenthaler Seite unter Ro (Rosenthal) das Jahr der Steinsetzung wie: 1735, 1741 und 1826. Die Platzierung der Grenzsteine mit den Kopfnummern ist auf der historischen Waldkarte leicht nachzuvollziehen. Neben der eingezeichneten Grenzführung beinhaltet die Karte im unteren Abschnitt die Grenzsteinnummern mit Winkel- und Entfernungsangaben zu dem nächsten Stein in aufsteigender Nummernfolge von „1" bis „38". Ebenso sind noch „Ruthe" und „Casseler Schuh" als Längenmaß in der kartographischen Darstellung benannt. Es lohnt sich diese Karte in Originalgröße im Treppenaufgang des Rosenthaler Rathauses anzuschauen. Die Wanderteilnehmer machten sich mit den zum Teil kunstvoll in Stein geschlagenen Inschriften Ro = Rosenthal, HH = Hohes Hospital Haina, Jahreszahlen und Steinnummern vertraut und zeigten bei der Nachforschung reges Intersesse.
Die Wüstungen Herzhausen, Rommertehausen und Weidenhain liegen unweit des Grenzsteinweges und finden daher auch ihre geschichtliche Erwähnung auf der Hinweistafel in der Waldgemarkung Weidenhain.
Fazit der Wanderführer: „Grenzsteinwanderungen sollen dazu anregen die verborgenen Schätze der Vergangenheit in das öffentliche Bewußtsein zu bringen und die Bevölkerung als ihre Bewahrer zu gewinnen. Grenzsteine und ihre Geschichte gehören zusammen. Nur so sind Grenzwanderungen für die Teilnehmer attraktiv und spannend".
Terminhinweis: Die nächste Grenztour findet am Samstagvormittag, 6.April 2013, statt. Geplant ist eine 9 Kilometer Rundwanderung entlang der ehemaligen Deutschordensgrenze Hof Merzhausen.

Helmuth Vaupel